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25.04.2018: Chinareise 2018

Vom 15.-21. April 2018 hat eine Wirtschaftserkundungsreise der IHK Berlin stattgefunden, die uns nach Peking und Shanghai führte. Wir, das waren ca. 50 Vertreter der Berliner Wirtschaft, im Bereich Transport und Verkehr unter anderem private Busunternehmer und die Geschäftsführerin der Berliner Verkehrsbetriebe. Darüber hinaus war auch der Berliner Senat durch die Wirtschaftssenatorin Ramona Pop vertreten, so dass die Reise auch in politischer Hinsicht bedeutend wurde.

Die Reise war so organisiert, dass neben dem persönlichen kennenlernen und Austausch von Kontaktdaten, die Information über den technischen Fortschritt in China im Vordergrund stand. Und der hatte es in sich. Waren noch vor wenigen Jahren knatternde Mopeds und rußgeschwärzte Fassaden das vorherrschende Bild in China, hat man es durch eine enorme Kraftanstrengung verstanden einen ökologisch orientierten Verkehrsansatz aufzubauen und durchzusetzen.

Noch vor 20 Jahren verfügten weder Peking noch Shanghai über eine U-Bahn. Jetzt betreiben sie die leistungsstärksten Netze weltweit. Motorräder fahren inzwischen fast flächendeckend elektrisch und für die letzte Meile sind Mietfahrräder gang und gebe.

Dem Bussystem galt unsere besondere Aufmerksamkeit, da ja dieses auch in Deutschland in Kürze vor großen Umbrüchen stehen wird. Insbesondere die Frage, auf welche Antriebstechnologie man hier setzen soll, trieb uns alle um. Peking hat uns dazu einen sehr guten Überblick gegeben, da hier neben den normalen Dieselbussen auch Elektrobusse, Oberleitungsbusse mit Rangeextendern und der ein oder andere mit Wasserstoff angetriebene Bus unterwegs sind. Durch einen Besuch auf einem Busdepot konnten wir uns diese Systeme etwas genauer ansehen. Vorab: Auch in Peking können die physikalischen Grenzen eines Batteriebetriebs nichts außer Kraft gesetzt werden.

Die Akkus haben ca. 120 Kilowattstunden Speicher und reichen so für 80-120 Kilometer Fahrleistung. Dies bedeutet, dass sie ca. drei bis vier Mal am Tag neugeladen werden. Da dies über eine Schnelladevorrichtung funktioniert, sind sie in ca. 20 Minuten damit fertig, was jedoch auch die Lebensdauer der Akkus reduziert. Auf dem Busbetriebshof waren 70 Schnellladevorrichtungen installiert mit je 170 kw Leistung. Bei einer Aufladung werden immer zwei zeitgleich pro Bus genutzt, so dass 340 kw Anschlussleistung erreicht werden. Inwieweit alle Ladesäulen zeitgleich genutzt werden können, konnte nicht in den Gesprächen ermittelt werden.

Darüber hinaus war bei unserem Besuch die hohe Reserveflotte auffällig. Morgens um halb 10 war der Hof noch mehr oder weniger voll. Dies wurde uns auch bei einer Probefahrt deutlich, als die hintere Tür nicht schloss...

Interessant war in Peking das O-Bussystem, das deutlich ausgeprägt ist und mit seinen schlanken Strommasten und Oberleitungen kaum auffällt. Durch den Einsatz von Akkus wird hier oftmals der Pantograph heruntergenommen und ohne Oberleitung gefahren.

Ein sehr schönes System unter dem Thema Smart Grid konnten wir in Shanghai erleben. Dort wurde uns ein vollintegriertes Smart Grid präsentiert, das mit einem Batteriewechselsystem für PKW und Busse kombiniert wurde. Die Akkus der Fahrzeuge werden in einer vollautomatischen Anlage direkt ausgetauscht und in einem Storage materialschonend geladen. Dort werden 30-140 Akkus vorgehalten, so dass die Lebenszeit der Akkus optimal ausgenutzt wird.

Die Wechselanlagen für PKW und Busse tauschen die Akkus in einer Zeit von weniger als drei Minuten, wobei diese Zeit noch in der weiteren Entwicklung unterschritten werden soll. Ein Manko ist bei den PKW´s die Anbringung der Akkus unter dem Fahrzeug, so dass sie Verschmutzungen direkt ausgesetzt sind. Dazu wird noch an einer Reinigungsanlage gearbeitet.

Akkus, die nur noch 50-80% Leistungsfähigkeit haben, werden aus dem Kreislauf genommen und für ein Smart Grid genutzt. Beim Unternehmen ist ein Smart Grid mit zwei Megawattstunden Speicherkapazität aufgebaut, das durch eine Solaranlage mit zwei Megawatt maximaler Leistungsfähigkeit sowie einer Windkraftanlage mit 0,5 Megawatt Leistungsfähigkeit gespeist wird.

Wer jetzt denkt, dass es sich hierbei um ein Pilotprojekt handelt, irrt. Das System ist in vielen Städten in China im Einsatz und wird zurzeit beispielsweise nach Mexiko exportiert.

Während der verschiedenen anderen Veranstaltungen der Reise wurden auch Kontakte zu Außenhandelskammer, Konsulat und Vertretern der interessierten Unternehmen vor Ort hergestellt. Diese werden jetzt als Grundlage genutzt, um gezielt Verbindungen zu den Lieferanten in China herzustellen. Bushersteller wie Foton sind sicherlich daran interessiert auch nach Europa zu exportieren. Dem stehen jedoch Joint Ventures des Unternehmens mit Daimler Benz entgegen...

Resümee:

China hat uns technologisch überholt. Das ist Fakt. Sicherlich sind einige Systeme noch nicht so perfekt entwickelt, wie wir es mit unseren hohen Qualitätsstandards gewohnt sind. Jedoch ist dies nur eine Frage der Zeit. Und dabei reden wir nicht über Jahrzehnte, sondern höchstens wenige Jahre...

Sie möchten mehr Informationen über den chinesischen Markt? Dann freue ich mich über Ihre Anfrage!